Saubere Luft ab
18 Millionen Pfund

In westlichen Großstädten tragen auch Taxis zur Smogbildung bei. Während in Baden-Württemberg außer einem kontroversen Fahrverbot keine konkreten Vorstöße gelingen, schafft London mit neuen Investitionen in die Infrastruktur Anreiz zur Abhilfe.

In London mit dem eigenen Pkw unterwegs zu sein, ist automobiler Extremsport. Volle Straßen und Parkplatznot: Das begünstigt die breite Nutzung der ikonischen schwarzen Taxis, der Black Cabs. Noch handelt es sich dabei jedoch ausschließlich um Dieselfahrzeuge. Und das wiederum verschärft die ohnehin hohe Schadstoffbelastung in der englischen Hauptstadt. Auch oberhalb von Stuttgart sieht man vor lauter Emissionen oft den Talkessel nicht mehr. Das hat schließlich zum nun geplanten, kontroversen Dieselfahrverbot geführt. Maßnahmen darüber hinaus? Im Südwesten mit großen Fragezeichen versehen. Dabei zeigt ein Blick über den Ärmelkanal, wie man strategisch weiterdenkt.

 

So soll ab dem Jahr 2040 in ganz Großbritannien kein neuer Pkw mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden dürfen – völlig egal, ob es sich um Benziner, Diesel oder Hybride handelt. Schon viel früher erklärt London belastete Stadtgebiete zu Ultra Low Emission Zones (ULEZ): Ab 1. Januar 2018 müssen erstangemeldete Black Cabs in der Lage sein, rein elektrisch zu fahren. Und da die Lebensdauer der dortigen Taxis per Gesetz auf 15 Jahre begrenzt ist, wird spätestens ab 2032 niemand mehr einen Diesel heranwinken können. Gut also, dass die örtliche Nahverkehrsbehörde Transport for London im April 2017 beschlossen hat, 18 Millionen Pfund in die Infrastruktur für Elektromobilität zu stecken.

Ab 2018 dürfen nur noch elektrische Black Cabs neu angemeldet werden.

So will man die Energieversorgung für neue Schnelladesäulen sicherstellen: 80 Stück sollen bis Ende 2017 und 300 bis zum Jahr 2020 installiert sein. Erfreulich: Ein Teil dieser Ladesäulen wird nicht nur für die schwarzen Karossen reserviert bleiben, sondern auch denjenigen zur Verfügung stehen, die privat beispielsweise mit einem Model S, Leaf oder i8 unterwegs sind.

Nicht nur ökologisch sinnvoll

Die geplante Investition ist stimmig und setzt genau rechtzeitig ein. In einer Phase, in der Aktivisten öffentlich wirksam auf die miese Luftqualität in Städten hinweisen – Hashtag #LondonsChoking inbegriffen – dienen solche Vorstöße nicht nur dem Umweltschutz, sondern auch der Imagepflege. Der Hersteller der Black Cabs nannte sich nicht umsonst kürzlich um: Aus der London Taxi Company wurde die London Electric Vehicle Company (LEVC).

 

Währenddessen ziert sich im heimatlichen Baden-Württemberg die Stadt Stuttgart, ähnliche Schritte zu wagen. Zwar verspricht man allen Ernstes, dort werde bis zum Jahr 2020 eine rein elektrische Taxiflotte fahren. Aber es fehlt an großflächiger Förderung, gesetzlichen Initiativen und Infrastruktur. Außerdem hängen sowohl Fahrer als auch Fahrgäste lokalpatriotisch an der Mercedes E-Klasse, die als Hybrid keine Taxizulassung bekommt.

Klar, als Schwabe hat man’s schwer mit dem Geldausgeben. Aber in keinem anderen deutschen Bundesland hängen so viele Arbeitsplätze von der Automobilbranche ab wie hier. In E-Mobility zu investieren ist eine Möglichkeit, diese Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Das nämlich kann man einer weiteren britischen Meldung entnehmen. Im März 2017 erst eröffnete in Coventry ein Produktionswerk für elektrische Black Cabs: die erste neue Autofabrik in Großbritannien seit mehr als einem Jahrzehnt.

 

Dementsprechend ein Reisetipp für die Stuttgarter Regierenden: London ist sehr schön um diese Jahreszeit – und noch braucht man für einen Abstecher dorthin kein Visum.

Autor

Lars Weitbrecht

Junior Berater Content & PR

E-mail: weitbrecht@wortwerkstatt.de

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