Was zum 🤬 sind eigentlich Emojis?

Von WhatsApp bis Teams-Chat sind Emojis inflationär im Einsatz. Auch deshalb halten manche die kleinen Comic-Bobbel für Unfug. Dabei sind sie aus Sicht der Sprachwissenschaft spannend.  

Tolle Sache, so eine Sprache. Seit den Urmenschen gehört sie fundamental zu dem, was uns von Tieren unterscheidet. Was sonst noch? Der Gebrauch dieser kleinen Dinger zum Beispiel: 😄😱😜

 

Emojis sind heutzutage Bestandteil fast jedes Messenger-Austausches. Bereits 2018 wurden die kleinen Piktogramme mehr als 10 Milliarden Mal täglich verschickt. Die Popularität lässt sich auch am Merchandising festmachen. Vom Stickerpack über Plushies bis hin zum abendfüllenden Animationsfilm gibt es alles, was das ❤️ begehrt. Doch Emojis haben auch viele Kritiker:innen: „Die knuddeligste Art, eine Sprache zu töten“ zählt noch zu den nett formulierten Vorwürfen. Wer aber hat Recht, wie überhaupt hängen Emojis und Kommunikation zusammen?

Woher kommen Emojis?

Kurzer Ausflug back to the late 90s: Japanische Teenager verschicken sehr gerne Grafiken mit ihren Handys. Weil die Jugend kaufkräftig ist, macht sich ein Mobilfunkanbieter diesen Trend zunutze. Er ersinnt eine Reihe an Icons, die platzsparend als Text codiert sind und so das Funknetz kaum zusätzlich belasten. Damit stehen Emojis in der Tradition zum Beispiel von Hieroglyphen und germanische Runen: Sie sind das, was passiert, wenn sich Kommunikation neue „Technologien“ zunutze macht. Im Westen beginnen Emojis ihren Siegeszug, als Apple sie 2011 in die damals aktuelle Version von iOS integriert.

 

Soweit die Historie. Kommen wir nun zu einer noch wichtigeren Frage.

Sind Emojis eine Sprache?

Die kurze Antwort: nein; die lange: Es ist kompliziert. Aus strenger Sicht der Linguistik erfüllen sie nicht die Voraussetzungen einer „echten“ Sprache. Die Liste der Gegenargumente ist lang. Ein paar Auszüge daraus: Zwei Personen werden eine Reihe von Emojis selten auf die gleiche Art und Weise interpretieren. Sie scheinen ungeeignet, komplexe abstrakte Konzepte konkret und nach festen Regeln zu übermitteln. Sie können nicht analog zu einem Sprachlaut genutzt werden. Ebenso stoßen sie an ihre Grenzen, wenn es um Grammatik geht: Tempora, Präpositionen, Pronomina und mehr lassen sich einfach nicht durch ein paar putzige Knutschekatzen ersetzen.

 

Trotzdem können Emojis linguistischen Mehrwert bieten: Sie reichern textbasierte Kommunikation um eine Komponente an, die im Gespräch von Angesicht zu Angesicht normalerweise Gestik, Mimik, Körperhaltung oder dem Tonfall entspricht. Reden Menschen „in echt“ miteinander, übermitteln bzw. unterstützen sie 70 Prozent der Bedeutung nonverbal. Schock, Frust, Witz, Ironie, Sarkasmus – reiner Text kann oft missverständlich wirken, wenn es emotional wird. Diese Lücke füllen Emojis. Daher sehen manche Forscher:innen darin in bestimmten Fällen sogar die passendere Form des Ausdrucks. 😳

 

 

 

Kleine Icons, große Wirkung

Wir merken also: Emojis sind zwar per se keine Sprache; wohl aber ein nützlicher Aspekt digitaler, textbasierter Kommunikation. Auch werden Emojis von unterschiedlichen Jahrgängen unterschiedlich eingesetzt. Millennials und Boomer gebrauchen sie meistens im wörtlichen Sinn, während die Gen Z und jüngere tendenziell etwas abstrakter agieren. Amerikanische Jugendliche von heute zum Beispiel nutzen den Cowboyhut-Träger (🤠), um Unbeholfenheit oder Verlegenheit auszudrücken. Auch der generationstypische Hang zu Sarkasmus und Ironie findet sich wieder. Klagende Sätze wie „Alles schrecklich, so wie immer“ werden gerne kunterbunt mit 🌈 ✨ 🌷 pointiert. Damit deutet es sich schon an: Emojis haben ein Verfallsdatum. Das in Deutschland seit den 1920er Jahren beliebte „knorke“ sagt man heute noch nicht mal mehr ironisch, und so circa ab Jahrgang 1996 gilt das Gesicht mit Lachtränen (😂) – 2015 noch vom Oxford Dictionary zum Wort des Jahres gekürt – als abgemeldet.

Ein emojionales Fazit

Solche und weitere Beispiele regen die Vermutung an, dass wir Sprache heute öfter einmal auch etwas lockerer, spielerischer und weiter gefasst sehen können. „Klare Kommunikation“, ein Credo von PR-Menschen, ist schließlich immer auch eine Frage der Situation, des Anlasses, der Kanäle und der Zielgruppe(n). Und sie wandelt sich mit Generationen und Technologien zunehmend schnell. Wie genau, kann vermutlich selbst die Wissenschaft nicht exakt vorhersagen, um es anders auszudrücken: 📚 🎓 🤷🏼‍♂️

 

In diesem Sinne, frohen Welt-Emoji-Tag! 🍻

Autor

Lars Weitbrecht

Junior Berater Content & PR

E-mail: weitbrecht@wortwerkstatt.de

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