Wo die Auto-Zukunft an Grenzen stieß

„Quo vadis (Wohin gehst du)?“: Diese historische Fragestellung könnte genauso gut Ausgangspunkt allen technischen Fortschritts der Menschheit sein. Mit unserem Erfindergeist versuchen wir, alle möglichen Probleme zu lösen. Das hat uns viele tolle Dinge beschert: Netflix, Sprühkäse und natürlich das Automobil. Gerade an Letzterem lässt sich hervorragend ablesen, welche Herausforderungen die Gesellschaft umtreiben – und in welchen Technologien wir deren Lösung vermuten.

Kaum etwas versinnbildlicht den menschlichen Fortschrittsglauben so sehr wie der Pkw. Höher, schneller, weiter: Seitdem zum ersten Mal ein Zweitakt-Knattermotor in einen Kutschenwagen gebaut wurde, beflügelt das Auto Visionen der Zukunft. Heute arbeiten Hersteller beispielsweise eifrig an (emissionsfreier) Elektromobilität, (unfallvermeidenden) Selbstfahrfunktionen und digitaler Vernetzung – mit Auswirkungen über den Straßenverkehr hinaus.

 

Auch die Vergangenheit kannte technologische Visionen. Zwischen motorisierter Knatterkutsche und einer Level-3-Limousine liegt schließlich mehr als ein Jahrhundert an Entwicklungen. Nicht alle überzeug(t)en restlos, wie die folgenden Beispiele beweisen.

Ey Mann, wo ist mein fliegendes Auto?!

Die Zukunft des Jahres 2023, wie man sie sich in manchem frühen Sci-Fi-Film vorstellte: Schön hier, jeder trägt den gleichen silberfarbenen Strampler, Essen materialisiert sich aus dem Nichts und zur Arbeit kommt man mit dem fliegenden Auto, selbst Zeitreisen sind möglich. Diejenigen, die diesen Blog jetzt lesen, wissen: Pustekuchen! (Diejenigen, die diesen Blog in der Vergangenheit lesen: Oh je und viel Glück.)

 

Kaum ein Sci-Fi-Werk kommt ohne Velomobil aus. Klar: Ob utopisches Himmelsreich (wie in „Die Jetsons“) oder düstere Dystopie (á la „Blade Runner“), niemand steht gerne im Stau. Deswegen kommt das fliegende Auto zu jedem beliebigen Zeitpunkt auch ganz sicher nächstes Jahr. Dass diese Verkehrsmittel teuer und energieintensiv sind, sehr wahrscheinlich eine kleine Mobilitätsnische bleiben, es sich dann auch weit oberhalb des Asphalts stauen würde oder Crashs in der Luft weitaus gefährlicher sind als am Boden? Ein paar „Kinderkrankheiten“ gibt es wohl noch zu lösen.

Runter vom Gas, auf zum Atom!

Unter anderem CO2-Emissionen und Feinstaubalarme zeigen: Es braucht dringend massentaugliche Alternativen zu konventionellen Antrieben. Heute lädt man daher als Lösung beispielsweise den Akku seines Elektroautos mit Grünstrom auf. Kurz nach dem zweiten Weltkrieg wollte man aber eine ganz andere neue Energiequelle nutzen. Nämlich direkt DIE KRAFT DES ATOMS™. Naheliegend, denn Plutonium hat schließlich eine höhere Energiedichte als Benzin oder Diesel und produziert außerdem keine lokalen Emissionen. Win-win!

 

Konzeptautos, bei denen wie in Atom-U-Booten kompakte Reaktoren die Energie liefern, brachten die Motorpresse zum Glühen. Ford stellte den Nucleo vor, Studebaker präsentierte den Packard Astral. Diese Ideen verwarf man aber wieder, als man ausrechnete, welche Lasten die Fahrzeugachsen zu stemmen hätten: Inklusive Abschirmung würde selbst ein Reaktor im Bonsaiformat rund 40 Tonnen wiegen. Die Tatsache, dass bei jedem Unfall immer auch eine Art Pilzwolken-Gefahr mitschwingen würde, half sicherlich auch nicht.

Origami für die Straße: Das faltbare Fahrzeug

Na, wieder Probleme bei der Parkplatzsuche? Vielleicht hilft ja eine Idee aus dem Jahr 1939: Das Automobil mit Knickkante. Eine November-Ausgabe der texanischen San Antonio Light beschrieb die Vision eines jungen Mannes (natürlich!), dessen Pkw auf einer Landstraße den Geist aufgibt. Statt des Abschleppdienstes lehnt der Bursche sein Fahrzeug erst hochkant gegen einen Baum, entfernt mit einem Handgriff einen schuhschachtelgroßen Motor, faltet das Chassis platzsparend zusammen und begibt sich frohen Mutes mit dem fehlerhaften Teil auf den Fußweg zur nächsten Werkstatt.

 

Das Origami-Mobil klingt wie ein typischer Gedanke aus der Zeit, als man noch Asbest-Tee gegen Kinderlähmung verschrieb. Allerdings sah die Geschichte korrekt den Einsatz von Leichtmetall im Autobau voraus. Und auch die faltbare Karosserie gerät wieder in den mikromobilen Zeitgeist, wie unter anderem Projekte aus Spanien oder Israel beweisen.

 

Was lernen wir aus diesen Beispielen? Viele Mobilitätsaufgaben treiben uns immer noch um: hohes Verkehrsaufkommen, Emissionsreduktion durch neue Antriebslösungen, Platzprobleme. Und gut geeignete Lösungen treiben uns heute an: insbesondere E-, Micro-, Shared- und Autonomous-Mobility. Was die fernere Zukunft an revolutionären und kreativen Ideen bringt – und ob auch wieder ein paar unrealistischere darunter sein werden –, verfolgen wir weiter neugierig und gespannt.

Autor

Lars Weitbrecht

Berater Content & PR

E-mail: weitbrecht@wortwerkstatt.de

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