IAA Transportation 2022: Sprung in die Zukunft

Vernetzt, rein elektrisch, autonom: Der Personen- und Gütertransport von morgen steht auf der IAA Transportation in Hannover im Mittelpunkt. Viele der Zukunftsthemen könnten sogar im Nutzfahrzeug  viel schneller als im Pkw unseren Alltag prägen.

Als etablierte Mobilitäts-PR-Agentur kennen wir die IAA Nutzfahrzeuge (wie sie früher hieß) seit mehreren Jahrzehnten. Im Vergleich zu Hektik und Show, die auf der Pkw-IAA in Frankfurt stets herrschten, ging es in Hannover anfangs etwas ruhiger zu – und auch informativer. Oft gaben hier hochkarätige Ansprechpartner:innen allen Besucher:innen, also nicht nur VIPs, am Messestand gute Einblicke in die Produktwelten (siehe Foto).

 

Drei Themen dominierten: Kosten, Kosten und nochmal Kosten. Bei den Fahrzeugen in Hannover stand selten Emotion im Mittelpunkt, sondern eher Total Cost of Ownership (zugegeben, für Schwaben kann auch das bewegend sein). Vor ein paar Jahren kündigten dann kühnes Aerodynamik-Design, elektrische Antriebskonzepte und fahrerlose Rangier-Demonstrationen einen Wandel an.

Autonomes Fahren zuerst im Nutzfahrzeug

Dieses Jahr heißt die Messe erstmals „IAA Transportation“ und macht auch thematisch einen deutlichen Sprung nach vorn. Im Hinblick auf die Exponate und Fahrzeuge wird man das nicht immer sofort merken; doch auf den Bildschirmen an den Messeständen ebenso wie in den Gesprächen mit den Ausstellenden werden echte Zukunftsthemen dominieren.

 

Dazu zählt hochautomatisiertes oder autonomes Fahren. Dieses wird wohl zuerst im Nutzfahrzeugbereich wahr, viel früher als im Pkw. Schon in acht Jahren könnten zehn Prozent aller Lkw selbstständig fahren, prognostiziert die Unternehmensberatung Berylls. Für Länder, in denen das auf öffentlichen Straßen erlaubt ist, liefern die Berater:innen die Kostenrechnung gleich mit: 25 Milliarden US-Dollar (24,5 Milliarden Euro) ließen sich in den USA pro Jahr sparen, würde jeder zehnte Schwerlastwagen autonom fahren. Das enorme Potenzial lockt auch Tech-Giganten wie Waymo – eine Tochter des Google-Mutterkonzerns Alphabet – zum Nutzfahrzeug. Konkrete Kooperationen mit Volvo und Daimler Trucks gibt es längst. Genauso neue Bezahlmodelle zwischen Software-Lieferant und Hersteller.

Anwendungsfall Betriebshof

In Europa sind autonom fahrende Trucks auf öffentlichen Straßen zwar noch nicht erlaubt; doch auch hier gibt es einen konkreten Anwendungsfall: den Betriebshof. Da es sich um Privatgelände von Flottenhaltern oder Logistik-Firmen handelt, muss hier nicht auf den Gesetzgeber gewartet werden. Die Technik für die so genannte „Yard Automation“ haben fast alle großen Lkw-Hersteller in Hannover dabei – falls nicht, werden sie beispielsweise beim Technologiekonzern ZF fündig, einem jahrzehntelangen Wortwerkstatt-Kunden.

 

Dass es immer weniger Fahrer:innen gibt, ist ein Hauptargument für den Automatisierungstrend. Dank diesem lassen sich die wenigen verbleibenden Trucker:innen dort einsetzen, wo sie unverzichtbar sind. Vor allem das gefährliche und zeitraubende Rangieren an der Rampe könnte sich bald im wahrsten Sinne von selbst erledigen.

Neue Mobilität – mit Bits, Bytes und Kleinfahrzeugen

Und wie werden Städte lebenswerter sowie der ÖPNV dort besser und emissionsärmer? Die Lösungsvorschläge zur IAA Transportation bestehen nicht nur in neuen, besonders sauberen Fahrzeugen; sie umfassen auch komplett neue Verkehrskonzepte wie Mobility as a Service (MaaS). Fahrerlose Robotaxis in Pkw- bis Kleinbus-Größe könnten auf Abruf bereitstehen und insbesondere schwach frequentierte Streckenabschnitte abdecken. Der gute alte Fahrplan hätte in diesem Fall ausgedient. Eine App trägt den Transportwunsch weiter und informiert Wartende kontinuierlich darüber, wo „ihre“ Fahrzeug gerade sind.

 

Für die Orchestrierung solcher, idealerweise elektrischer Fahrzeugflotten inklusive dazugehöriger Apps und Ladeinfrastruktur braucht es elektronische Intelligenz. Auch hier bieten Zulieferer interessante Systeme, die das Zeug zum „Backbone“ einer ganz neuen Mobilität haben – ähnlich der Connectivity-Lösung im Bild.

 

Die Messe selbst verändert sich ebenfalls.  Die Veranstalter:innen richten sie längst nicht mehr nur auf tonnenschwere Transportmittel aus. Diskussionsveranstaltungen wie der „Municipal Transport Day“ am 23. September beispielsweise bringen IT-Themen auf die Podien – und Micromobility wie elektrische Lastenräder für die „letzte Meile“ auf die Demonstrationsflächen. Nicht trotzdem, sondern deswegen bleibt die IAA Transportation ein Schwergewicht, wenn es um die Zukunft unserer Mobilität geht.

Autor

Andreas Neemann

Senior Berater Content & PR

E-mail: neemann@wortwerkstatt.de

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