Safer Specs

Machen wir uns nichts vor: Der größte Unsicherheitsfaktor im Straßenverkehr ist der Mensch. Gut also, wenn sich neueste Assistenzsysteme und Rückhaltelösungen zusammentun, um auch unabhängig von uns für mehr Schutz zu sorgen.

Die meiste Zeit fahren sie still und unbeachtet mit. Trotzdem müssen sie die strengsten Kriterien der Automobilwelt erfüllen, um überhaupt an Bord sein zu dürfen. Wenn ihr Einsatz gefragt ist, haben sie blitzschnell und fehlerlos abzuliefern. So retten Sicherheitssysteme Leben; gerade auch jetzt, wo es länger Nacht ist, die Straße rutschiger, der Nebel hartnäckiger, die Sonne oft frontal ausgerichtet und manche Fahrt in den Winterurlaub nah.

Alle sieben Sekunden retten

Das elektronische Stabilitätsprogramm – ESP oder ESC – verhinderte laut Berechnungen allein in Europa rund 15.000 Tote in den ersten 25 Jahren ab Markteinführung (die war 1995 in der Mercedes-Benz S-Klasse). Seit Airbags in Serie gingen (1980, ebenfalls in der S-Klasse), überlebten Statistiken zufolge circa 90.000 Fahrzeuginsassen Unfälle, bei denen sie sonst chancenlos gewesen wären. Und sogar Millionen Mal schon schlugen Sicherheitsgurte dem Sensenmann ein Schnippchen. Aktuell tun sie das weltweit alle sieben Sekunden, heißt es. Premiere im Pkw feierte dieses Rückhaltesystem 1959, ausnahmsweise nicht in der S-Klasse, sondern in den Volvo-Modellen PV544 und P120 Amazon.

Aufpassen ohne Ablenkung

Heute haben Ingenieur:innen die Safety-Features so weit gebracht, dass der Unsicherheitsfaktor Mensch zunehmend außen vor bleiben kann. Aktive Sicherheitslösungen kombinieren dazu Umfeldbeobachtung – zum Beispiel Kameras, Radar und Laser – mit fähiger Aktuatorik, etwa neuartigen Brems- und Lenkungssystemen. Intelligente Hochleistungselektronik regelt das Ganze. Ablenken lassen sich solche Aufpasser nicht. Sie kennen weder Müdigkeit noch Erschöpfung oder gesundheitliche Probleme. Allen neu entwickelten Fahrzeugen verordnete die EU daher per Juli 2022 unter anderem einen Notbremsassistenten (Premiere: schon 2003 im Toyota Harrier in Japan; und ab 2006 auch hierzulande, ja, in der S-Klasse). Dieser, zusammen mit einem Kollisionswarner, kann die Auffahrunfälle mit Verletzten mehr als halbieren, fand eine großangelegte U.S.-Studie kürzlich heraus. Und er schützt auch andere Verkehrsteilnehmer besser.

By-wire entspannter unterwegs

Mit By-wire-Lösungen, auf die Flugzeuge längst abfliegen, werden sich Autobremsen und -lenkungen noch schneller, feinfühliger und vielfältiger elektronisch regeln lassen. Der Zulieferer ZF hat so etwas schon in Serie gebracht beziehungsweise wird es demnächst. Die By-wire-Technik zahlt auf einen weiteren Megatrend ein: Erst wenn ein Auto komplett von sich aus für die nötige Sicherheit sorgen kann, ist nämlich an das „echte“ automatisierte Fahren zu denken: Erst dann dürfen Menschen am Steuer eines fahrenden Autos oder Lastwagens streckenweise pflichtbefreit relaxen. Seit Mitte 2022 gibt es ein erstes Pkw-Serienmodell, dass dies nach Level 3 zulässt; und zwar nicht nur behauptet, sondern tatsächlich (erraten: die S-Klasse).

Der Airbag geht auf dich ein

Die eben beschriebenen, aktiven Sicherheitsfeatures sollen Blechsalate und Schlimmeres verhindern. Zugleich entwickeln sich aber die passiven Schutzengel weiter. Sie schreiten ein, wenn es kracht, um die Unfallfolgen – sprich: die Verletzungsschwere – möglichst gering zu halten. Dabei verschmelzen die aktiven und passiven Bereiche zunehmend, was gut ist: Gurte können sich so straffziehen und Sitze die Passagiere in eine aufrechtere Haltung bringen, wenn ein Crash droht. Airbags werden künftig wohl in der Lage sein, abhängig von Statur, Gewicht oder auch aktueller Position der Person auszulösen, die es zu schützen gilt.

Thema Sicherheit abgehakt?

Ganz abschalten darf der autofahrende Mensch in Sicherheitsfragen trotzdem nicht. Nur angelegte Gurte bieten Rückhalt. Nur den Verhältnissen angepasste Geschwindigkeiten, Abstände und Reifen sowie regelmäßige Fahrzeugwartungen erhalten Reserven für brenzlige Situationen. Und nur wer auf die Safety-Eigenschaften – widergespiegelt etwa in NCAP-Resultaten – eines Autos achtet, kann im Ernstfall vom geballten Fortschritt der Sicherheitsforschung profitieren. Fünf Sterne holen sich heute Vertreter vieler Fahrzeugsegmente. Dazu muss es keine S-Klasse sein.

Autor

Achim Neuwirth

Senior Berater Content & PR

E-mail: neuwirth@wortwerkstatt.de

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