Wohin Autos aufgehen

Fahrzeugtüren waren, sind und bleiben die Tore zum automobilen Erlebnis. Eröffnen können sie dieses auf ungewöhnliche Arten – ein Überblick.

Manche Exoten besitzen gar keine, Coupes haben zwei (ausnahmslos!), Limousinen vier und Kombis fünf. Diese Kategorisierung von Autotüren ist bekannt, darum soll es jetzt nicht gehen. Sondern darum, in welche Richtungen sie öffnen.

Hoch die Klappen

Ein Türkonzept wurde zum Inbegriff für das gesamte Fahrzeug: Gemeint ist der „Flügeltürer“ Mercedes-Benz 300 SL (W 198), der kolportiert schnellste Sportler seiner Zeit. Das gegenwärtige Tesla Model X beispielsweise ahmt großvolumig diese Legende nach, was die hinteren Türen („Falcon-Wings“) betrifft.

Gerne verwechselt werden die „Flügel“ mit Scherentüren. Doch Letztere wandern zum Ein- und Aussteigen nicht mittig über das Dach. Vielmehr drehen sie sich nach vorne weg. Geöffnet stehen sie oft nahezu hochkant. Kommt noch eine Seitwärtsbewegung hinzu, handelt es sich um Schmetterlingstüren. Klingt kompliziert? Keine Sorge, praxisrelevant ist das nur beim Hantieren mit exklusiven Sportwagen – und für alle, die das bei ihrem Alltagswagen nachgebastelt haben (Stichwort „LamboStyleDoors“).

Portal ins Wohlbefinden

Eher bei Luxuslimos zuhause? Bei diesen steigern gern Portaltüren die Exklusivität. Die Hinteren schwenken entgegengesetzt zu den Vorderen auf. Das erleichtert Chauffierten den Ein- und Ausstieg, heute etwa bei Rolls Royce und jüngst einem limitierten Sondermodell von Lincoln.

Zum 80-Jahr-Jubiläum (2019) bekam der Lincoln Continental wieder Portaltüren (Coach Doors). Die spezielle Modellvariante war begrenzt auf – erraten – 80 Einheiten.  

Früher bedeutete das allerdings nicht nur Komfort, sondern auch Gefahr: Bei überhastetem Losfahren nahm das geöffnete „Portal“ alles mit, was nah am Auto stand. Gerieten Fondpassagier unterwegs an die Öffner, riss der Fahrtwind die Tür weit auf – und die Person, die sich daran festhielt, aus dem Auto, heißt es. Der unschöne englische Beiname Selbstmördertüren (Suicide Doors) lässt sich also gut begründen. Inzwischen sind dem längst Riegel vorgeschoben. So entsperrt die hintere Portaltür nur, wenn das Fahrzeug steht oder – wie bei Pick-ups üblich – zuvor schon die Vordere geöffnet wurde. Erst, wenn alles wieder zu ist, erlaubt das Auto das Losfahren.

Der Mini Clubman unter BMW-Ägide bereicherte das Portaltürsystem um Asymmetrie: Der „freie“ Zugang zur Rücksitzbank war bloß von einer Seite aus möglich. Auf der anderen fehlte die zweite Pforte. Ein späterer Nachahmer dieser 2:1-Verteilung, wenngleich ohne Portaltüren, war der Hyundai Veloster.

Aufgeschoben ist gut aufgehoben

Das Nonplusultra des verrenkungsfreien seitlichen Fahrzeugzugangs kennt man von Transportern, Vans und Kleinbussen: die Schiebetüren. Mit ihnen sind die Einstiegsluken riesig und die Distanzanforderungen zum nächsten Querparker niedrig. Der Ford B-Max verzichtete – der Name suggeriert anderes – sogar auf eine B-Säule. Dass selbst ein Roadster solche Türen haben kann, weiß man seit dem BMW Z1 von 1989, wenngleich sie dort nach unten in die Karosserie abtauchen.

Front zu Heck

Den Motorraum, der gewöhnlich zwischen den Vorderrädern liegt, besuchen heutige Durchschnittsautobesitzer:innen aus maximal zwei Gründen: entweder, um Flüssigkeiten nachzufüllen, oder, um deren Stände zu kontrollieren. Der frühere Kleinwagen Audi A2 hatte die Motorhaube daher schon weitgehend zu einer Wartungsklappe degradiert. Ähnliches kannte man vom verbrennungsmotorischen Smart. Ohnehin scheint die Motorhaube angezählt: „Vorne Frunk, hinten Trunk“ lautet beim Elektroauto die Devise.

„Anybody seen my engine?“: Unter der „Motorhaube“ des elektrischen Audi RS e-tron GT findet sich ein Frunk (Bild).

Standardmäßig überdeckt die Haube aber noch kraftstoffbetriebene Aggregate. Für den Zugang öffnet sie von oberhalb der Scheinwerfer nach hinten. Die umgekehrte Variante (von der Windschutzscheibe nach vorne) konnte sie sich ebenso wenig durchsetzen wie der Tuning-Gag, die Scharniere seitlich anzuschlagen. Das dürfte Sache des Konzertflügels bleiben.

Stufenhecklimousinen, Cabrios und Coupes haben einen Kofferraumdeckel. Dieser darf sich genauso wenig wie die Motorhaube zu den „offiziellen“ Autotüren zählen. Außer, er erlaubt auch den Zugang zum Passagierraum, wie zum Beispiel bei Schrägheck- und Kombilimousinen sowie Vans. Dann ändert er seinen Namen in Heckklappe und gilt als dritte oder fünfte Pkw-Tür. Manchmal gibt es diese horizontal zweigeteilt: Die Heckscheibe lässt sich separat nach oben schwenken. Eilige können damit kleine Gepäckstücke schnell einwerfen. Den Kofferraumzugang nach Schranktüren-Art repräsentiert der Mini Clubman (alle Generationen) im Pkw-Bereich wie kein zweiter (siehe Bild).

Briten mögen es exzentrisch? Der Mini Clubman (R55) befeuerte dieses Vorurteil mit drei Eigenheiten allein bei den Türen: Erstens mit dem seitlichen Portalkonzept. Dieses fand sich – Punkt zwei – aber nur auf der Beifahrerseite des Wagens. Drittens gab es zum krönenden Abschluss eine zweiteilige Hecktür.

Diese Zugangsoption zum Laderaum gibt es auch bei nahezu jedem Transporter. Das, was auf diese Weise aufschwenkt, nennt sich übrigens „Flügel“, wie beim historischen Benz. So schließt sich der Türkreis.

Autor

Achim Neuwirth

Senior Berater Content & PR

E-mail: neuwirth@wortwerkstatt.de

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